Kofel ✕

Oberammergau. Odyssee, Prokrastination und Sinnbild eines Studiums.




Entstanden in Kooperation mit Sebastian Hertrich.

Unterstütz von Jan-Alexander Diedrich und Christoph Schuhmann.






150cm x 120cm, Diasec

Lichtskulptur, 16 Neoröhren

Videoinstallation, 4 Bildschirme


2015



*Order Prints*






Text von Andrea Karle:

Die Erhabenheit der Natur durch eigene Kraftanstrengungen zu bezwingen war das Ziel einer Bergexpedition [...] Die selbst gewählte Aufgabe war es eine Landschaftsmarkierung aus Leuchtstoffröhren auf eine Bergspitze zu tragen und schließlich das leuchtende X vom Fuße des Berges aus zu fotografieren. Eine gewagte Herausforderung, die mit Hilfe der Freunde Jan-Alexander Diedrich und Christoph Schuhmann gemeistert wurde, jedoch permanent hätte scheitern können.


 


„Hat der Künstler, der in einen poetischen Kampf gegen die Elemente verwickelt ist, schon von vornherein verloren?“

-Leitfrage des FoMu FotoMuseum in Antwerpen



Datiert auf den 26. April 1336, besteigt Francesco Petrarca, ein italienischer Dichter und Geschichtsschreiber und Mitbegründer des Humanismus, zusammen mit seinem Bruder den Mont Ventoux in der Provence. Nach Erklimmen dieses Berges betrachtet Petrarca, die Menschheit und die Natur auf eine, für ihn bekannte, subjektive, ästhetische Weise trägt damit maßgeblich zu einem, von diesem Zeitpunkt an, sich verändernden Bild der Welt bei. Ästhetik und Beschaulichkeit, eine Form der Kontemplation, werden neu definiert – sie verbinden sich. Auch wird in der Besteigung des Mont Ventoux durch Petrarca der Übergang des Mittelalters zur Neuzeit angesehen.


Was also bewegt einen 32-jährigen Literat, Gelehrten und Geistlichen, einen Berg zu besteigen? Die Hoffnung auf Erleuchtung? Gott näher sein zu können? Grenzen zu spüren – diese zu übersteigen? Was bewegt uns dazu, einen 1342 Meter hohen Berg zu erklimmen, eine Lichtskulptur, bestehend aus 16 Neonröhren, am höchsten Punkt des Gipfels zu positionieren und diese 1342 Meter wieder hinabzusteigen, eine Fotografie zu erstellen und den gleichen Weg erneut zu gehen? Stellt das Besteigen des Berges und die Installation einer Lichtskulptur an seinem höchsten Punkt eine Veränderung, gar einen Wendepunkt in unserem Leben dar? – Den Abschluss unseres Studiums? Gipfelt dieser in der Besteigung eines Berges? Am Ende angekommen sein von etwas? Hat Petrarca wohlmöglich versucht, eine für ihn innerlich spürbare Unvollkommenheit zu verwandeln? Eine Symbiose zu schaffen zwischen innen und außen, zwischen Seele und Welt, bis hin zu Deutung oder Aufklärung seines bis dahin gelebten Lebens? Vielleicht haben auch wir versucht, uns unsere bisheriges Leben, Erlebtes und Getanes vor Augen zu führen; zu sehen, wo wir sind, wer wie sind und wohin unsere Reise nach Besteigen des Kofel gehen wird? Sind wir, auf der Suche nach einer abstrakten Form der visuellen Darstellung unserer eigenen Persönlichkeit, letztlich auf diese gestoßen? Dabei entwickelt sich fort, was noch nicht endgültig ist.

Sebastian Wanke

Zielsetzung meiner Arbeiten in den letzten Jahren war immer eine Studie des abstrakten Zusammenspieles von Licht und Zeit, der Essenz der Fotografie im Allgemeinen. Dieses Phänomen von Licht und Zeit versuchte ich, fotografisch in der Arbeit Kofel ✖ in der Abbildbarkeit der Wirklichkeit, der Landschaft zu untersuchen. Der physische Aufstieg war weniger wichtig als der spirituelle. Denn genauso wie Franceso Petraca in seinem Brief den Aufstieg als eine Versinnbildlichung des Überwindens der dunklen Epoche des Mittelalters hin zur Aufklärung versteht. So entsprang auch in mir der Drang und das Verlangen, gesetzte Grenzen, den Abschluss meines Studiums zu überschreiten und die Besteigung und Exkursion zum Kofel in den Ammergauer Alpen als Versinnbildlichung dessen zu verstehen. Die Markierung des Gipfels mit einer Lichtinstallation in Form eines großen ✖ soll dies abbilden. Die Lichtskulptur besteht aus 16 Neonröhren, die mit Hilfe eines eigens entwickelten Steckmodulsystems aufgebaut werden kann.

Sebastian Wanke, Neon, X, Diplom, Weimar

Ich empfinde es für sinnvoll, sich hin und wieder an die Relativität der eigenen Möglichkeiten, der eigenen Größe und der eigenen Kraft erinnert zu werden. Ich glauben im Anblick der Größe eines Berges oder der Unermesslichkeit des Meeres, wird die Unwichtigkeit der eigenen Person bewusst. Mich fasziniert jedoch nicht die Höhe eines Berges oder die Größe eines Ozeans. Es ist vielmehr die räumliche Vorstellung, das unfassbare und das nicht beschreibbare Volumen. Der Berg zeigt uns die Ursprünglichkeit, das Vergängliche, die Zeit und vereint alle Elemente in einem ewigen Kreislauf. Es lassen sich Erkenntnisse erwandern, man denke allein an biblische Offenbarungen, die auf Bergen stattfanden oder an Sisyphos und Heinrich von Ofterdingen. Wie der Wald ist der Berg beides, gut und böse, nüchtern und ambivalent. Der Berg umfasst mit den ihm innewohnenden Energien männliche und weibliche Züge. Sein machtvolles Aufragen beschreibt die Männlichkeit. Sein Inneres ist Ort der Geborgenheit und des Ursprungs, der Ort, an dem Quellen und Flüsse entspringen, in dem Leben entspringt. Das Innere ist Mutter.


Sebastian Wanke, Diplom, Kofel, Weimar, Oberammergau

Der Eingriff des Menschen in die Natur und dessen Folgen, lässt das Bild der Unbezwingbarkeit des Berges nur schwer aufrecht erhalten. Somit erscheint mir das Installieren einer Lichtskulptur auf dem Gipfel eines Berges schon fast notwendig, schon fast töricht.




Diplom-Ausstellungsansicht:

Sebastian Wanke, Diplom, Kofel, Weimar, Oberammergau

Sebastian Wanke, Diplom, Kofel, Weimar, Oberammergau

Sebastian Wanke, Diplom, Kofel, Weimar, Oberammergau




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