KOMOS



2017

Happy People Mallorca XXL Strohhalme, Antiker Kolonettenkrater, Schwarzlicht UV-Fluter

50 x 50 x 100 cm



Entstanden für das Lindenau Museum Altenburg | Altenburger Trialog.








Text von Michael Merkel:


Die antiken griechischen Keramiken des Lindenau-Museums wurden allesamt im Italien des 19. Jahrhunderts gefunden. Als Beigaben reicher etruskischer Grabanlagen hatten sie die Jahrtausende überdauert und fanden nach ihrer Entdeckung als museale Exporte Einzug in verschiedene Sammlungen. Die Bildmotive, mit denen die Vasen ausgeschmückt sind, eröffnen uns Einblicke in den Alltag und die Vorstellungswelt ihrer Urheber.


Als Gebrauchsobjekte stellen zahlreiche Keramiken Trinkgefäße dar, die besonders für den gemeinschaftlichen Umtrunk konzipiert waren. Solche Gelage sind zumeist eng verbunden mit den rituellen Huldigungen des Dionysos. Das lärmende Gefolge des Gottes des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase fand sich dabei immer wieder in einem zentralen Akt zusammen: dem Symposion. Während solch einer weinseligen Zusammenkunft bildeten Kratere den Mittelpunkt der zeremoniellen Handlungen. In diesen Krügen wurde der starke Wein mit verschiedenen Gewürzen und Wasser vermischt. Entsprechend seiner Nutzung als Misch- und Schöpfgefäß ist daher das Typische an seiner Form die weite Öffnung nach oben. Im Anschluss an ein solches Gelage fand oft ein lauter, festlicher Umzug statt, der sogenannte Komos. Mit Gesang, teils orgiastischen Tänzen und im Zustand höchster Erregtheit erwiesen die Komastentänzer der Gottheit ihre Ehrbekundungen.


Sebastian Wanke, Komos, Lindenau

Fotos: Sarah Weiselowski 


Die ebenfalls Komos betitelte Intervention von Sebastian Wanke überführt den rauschhaften Ritus in die Gegenwart. Bunte XXL-Strohhalme dienen als Instrumentarien der zeitgenössischen dionysischen Lobpreisung, wie sie sich an den Kultstätten moderner Touristenhochburgen vollzieht. Von der Playa de Palma über Lloret de Mar, von der Copacabana zum Goldstrand, überall findet sich die Jüngerschaft der Gottheit zusammen, um ein mehrere tausend Jahre altes Brauchtum immer wieder mit neuem Leben zu erfüllen.






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