MADE IN CHINA



2017

Neonschriftzug auf Acryl, Stativ

110 x 25 x 200 cm



Entstanden für das Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg | Altenburger Trialog.








Text von Michael Merkel:


Die Kunst des Fernen Ostens prägte lange Zeit das Erscheinungsbild der europäischen Fürstenhöfe. Vor allem Porzellane und weitere kunsthandwerkliche Erzeugnisse waren beliebte Objekte einer Chinabegeisterung, die von der Weltgewandtheit und dem Wohlstand ihrer Besitzer zeugen sollten. Im Vordergrund stand dabei der ornamentale und exotisch-fremdartige Gehalt des Dekorationselementes. Die große Beliebtheit dieser Kulturimporte führte vor allem im 18. Jahrhundert zur Adaption der asiatischen Vorbilder durch europäische Kunsthandwerker. So versuchten sich etwa Fayencemanufakturen an der Imitation von ostasiatischen Porzellanen in Bezug auf Material, Beschaffenheit und Bemalung.


Sebastian Wanke, Made in China


Der weltweite Warenverkehr, dessen frühe Entwicklung sich in der Importtätigkeit der europäischen Fürstenhäuser offenbart, ist Ansatzpunkt für Sebastian Wankes Arbeit. Infolge der globalen Verschränkung des Handels verabschiedet das englische Parlament 1887 eine Regelung, nach der alle Importartikel, die mit heimischen Fabrikaten verwechselt werden könnten, mit einem Hinweis auf das Urheberland gekennzeichnet werden müssen. Die Klassifizierung „Made in“ wird geboren und entwickelt sich bald zum Gütesiegel für die in aller Welt geschätzten deutschen Waren. Durch die zunehmende Zergliederung von Arbeitsprozessen und die Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer wie China ist die Kennzeichnung eines einzelnen Ursprungslandes hinfällig geworden. Da der chinesische Markt zudem mit minderwertiger und billiger Ware assoziiert wird, vermeiden zahlreiche Unternehmen seine Nennung.


In der Verortung des Neonschriftzuges Made in China zwischen historischen asiatischen Importen wird der weltweite Transfer von materiellem wie geistigem Gut als ein wechselseitiger und komplexer Vorgang ersichtlich.






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